Die Zukunft der Steuer­fach­angestellten

Eine ehrliche Analyse

Überlegst du, eine Umschulung im Steuer­wesen zu machen? Bestimmt ist dann eine deiner wich­tigsten Fragen, ob es über­haupt sinn­voll ist, heute noch Steuer­fachan­gestellte oder Steuer­fachan­gestellter zu werden.

Schließlich hört man überall, dass Künst­liche Intelli­genz immer mehr Aufgaben übernimmt. Software liest Rechnungen aus, sortiert Belege, erstellt Buchungen und kann inzwischen sogar steuer­liche Fragen beant­worten. Und mit soge­nannten KI-Agenten geht die Entwick­lung noch einen Schritt weiter, denn die Systeme können künftig ganze Arbeits­abläufe selbst­ständig vorbe­reiten und ausführen.

Da liegt die Frage nahe, warum man noch eine Umschulung zur Steuer­fachkraft machen sollte, wenn ein Computer einen großen Teil der Arbeit erledigen kann?

Die kurze Antwort lautet: Weil sich der Beruf zwar verändert, aber nicht verschwindet.

Und gerade für Menschen, die mitten im Berufs­leben noch einmal neu anfan­gen möchten, kann das eine interes­sante Perspektive sein.

50 Prozent automatisierbar

Muss man sich jetzt Sorgen machen?
Diese Zahl sorgt bei diesem Thema tatsäch­lich erst einmal für Ernüch­terung: Der Job-Futuromat des Instituts für Arbeits­markt- und Berufs­forschung kommt für Steuer­fachan­gestellte auf ein Automa­tisie­rungs­potenzial von 50 Prozent. Es klingt zunächst so, als würde die Hälfte des Berufs bald von Maschinen erledigt. Aber so ist es bei weitem nicht.

Das Automatisierungs­potenzial beschreibt, welche Tätig­keiten grund­sätzlich von computer­ges­tützten Systemen über­nommen werden könnten. Es sagt nicht voraus, dass die Hälfte aller Arbeits­plätze weg­fallen wird. Ob eine Tätigkeit tatsächlich auto­matisiert wird, hängt unter anderem davon ab, wie zuverlässig, wirt­schaftlich und sinn­voll das in der Praxis ist.

Und genau hier liegt ein wichtiger Unterschied.

Ein Computer kann eine Buchung durchführen. Eine KI kann einen Beleg erkennen. Eine Software kann eine Steuer­erklä­rung vorbe­reiten. Aber damit ist noch lange nicht geklärt, ob die zugrunde liegenden Infor­mationen richtig sind, ob ein bestimmter Sach­verhalt steuer­lich richtig einge­ordnet wurde oder ob die Lösung für den jewei­ligen Mandanten tatsächlich passt.

Genau deshalb verändert die Digita­lisierung das Berufs­bild, anstatt es abzuschaffen.

Weniger Routine, mehr Kontrolle und Einordnung

Es wäre falsch, die Entwicklung der KI kleinzureden. Viele Tätigkeiten, die heute zum Arbeits­alltag in einer Steuer­kanzlei gehören, werden in Zukunft stärker automa­tisiert. Dazu gehören vor allem wieder­kehrende und klar struktu­rierte Aufgaben. Die Maschine übernimmt zunehmend die Routinen und der Mensch kümmert sich um das, was darüber hinausgeht.

Genau diese Entwicklung ist bereits im Berufs­bild angekommen. Die Ausbil­dungs­ordnung für Steuer­fachan­gestellte wurde 2023 modernisiert. Das Bundes­institut für Berufs­bildung (BIBB) nennt die Digita­lisierung ausdrücklich als einen Grund dafür. Steuer­erklä­rungen, Buch­führung und andere Tätig­keiten im Steuer­bereich sind heute ohne digitale Verfahren kaum noch denkbar.

Gleichzeitig hat die Bera­tung von Mandanten an Bedeu­tung gewonnen. Das ist kein Zufall.

Je mehr Routine­aufgaben von Soft­ware über­nommen werden, desto wichtiger wird es, die Ergeb­nisse dieser Soft­ware beur­teilen zu können. Genau dafür braucht es Fachwissen. Und dieses Fachwissen wird durch KI nicht weniger wichtig. Im Gegenteil.

Warum Steuerwissen in Zukunft wichtig bleibt

Das ist vielleicht der wichtigste Punkt für alle, die über eine Umschulung nachdenken.

Grundsätzlich gilt: Wenn eine KI eine Antwort liefert, muss jemand beur­teilen können, ob diese Antwort richtig ist. Das gilt beson­ders im Steuerbereich.

Steuerrecht ist kein Bereich, in dem ein plausibel klingendes Ergebnis automa­tisch ein richtiges Ergebnis ist. Es kommt auf Details an. Auf Fristen. Auf Voraus­setzungen. Auf gesetz­liche Regelungen. Auf den konk­reten Sachverhalt.

Wer die Grundlagen nicht kennt, kann einen Fehler der KI mög­licher­weise gar nicht erken­nen. Deshalb brauchst du auch in einer zuneh­mend automa­tisierten Steuer­welt Menschen, die steuer­liche Zusammen­hänge verstehen.

Die Rolle verändert sich also. Vielleicht wirst du in Zukunft weniger Zeit damit verbringen, Daten aus einer Rechnung in ein System zu übertragen. Dafür wirst du mehr Zeit damit verbringen, die vom System vorbe­rei­teten Ergeb­nisse zu prüfen, Besonder­heiten zu erkennen und die richtigen Fragen zu stellen.

Das ist keine Entwertung des Berufs, sondern eine Verschiebung hin zu anspruchs­volleren Aufgaben.

Und was ist mit der Beratung?

Auch hier lohnt sich ein genauer Blick auf die Entwicklung.

Das BIBB nennt neben den digitalen Kompe­tenzen ausdrücklich Kommuni­kation und Mandanten­orien­tierung als wichtige Bestand­teile des moderni­sierten Berufs­bildes. In der Abschluss­prüfung spielt inzwischen sogar eine Gesprächs­simu­lation zur Beratung von Mandanten eine Rolle.

Das zeigt ziemlich deutlich, wohin die Reise geht.

Eine moderne Steuer­fach­kraft ist nicht einfach jemand, der Zahlen in ein Programm eingibt.

Sie versteht steuer­liche Zusammen­hänge, arbeitet mit digitalen Systemen, kontrol­liert deren Ergebnisse und kann diese Zusammen­hänge anderen Menschen verständ­lich erklären.

Du musst kein Technikprofi sein

Wenn du heute wenig mit KI zu tun hast, kann die Entwick­lung ziemlich überwäl­tigend wirken. LLMs, Automa­tisierung, Cloud­systeme, KI-Agenten, digitale Buch­haltung. Alles klingt nach einer Welt, in der man ständig technisch auf dem neuesten Stand sein muss.

Für eine Tätigkeit in einer moder­nen Steuer­kanzlei bedeutet das aber nicht, dass du zum IT-Spezia­listen werden musst. Du musst lediglich verste­hen, wie die digi­talen Werk­zeuge funktio­nieren und wie du sie sinnvoll einsetzt. Vor allem musst du ihre Ergeb­nisse fachlich beur­teilen können.

Das ist etwas anderes. Du musst also mit 35 oder 42 nicht versuchen, mit einem 18-jährigen Digital Native um die Wette zu programmieren.

Die entscheidende Frage ist also nicht, ob du jede tech­nische Entwick­lung selbst erklären kannst. Entschei­dend ist, ob du bereit bist, dich mit neuen Werk­zeugen ausein­ander­zusetzen und dein Fach­wissen damit zu verbinden.

Und genau das lässt sich lernen.

Wenig menschliche Konkurrenz

Ein total unterschätzter Punkt ist die Frage: Was interessiert eigentlich die meisten Menschen? Pflege, Pädagogik, soziale Berufe, Medien, Sport, Verwaltung, Marketing oder vielleicht etwas mit Tieren?

Steuerrecht gehört bei sehr vielen Menschen nicht ganz oben auf die Liste. Und genau das ist der Vorteil für Zahlen­menschen.

Denn bei der Berufswahl geht es nicht nur darum, ob eine Tätig­keit theore­tisch automati­sierbar ist. Es geht auch darum, wie viele Menschen diesen Beruf tatsäch­lich ausüben möchten und wie viele Fach­kräfte der Arbeits­markt braucht.

Der Beruf verändert sich durch die Digitali­sierung. Gleich­zeitig gibt es weiter­hin einen Bedarf an Menschen, die steuer­rechtliche Themen verstehen und digitale Prozesse fachlich begleiten können. Du konkur­rierst also nicht automa­tisch mit Millionen anderer Menschen, die genau denselben Beruf unbedingt machen möchten.

Steuerfachangestellte 2035, hat der Beruf Zukunft?

Unser Fazit lautet: Ja, aber er wird sich verändern.

Die Programme werden besser, die Prozesse schneller. KI übernimmt Routine­aufgaben.

Wer heute eine Umschulung beginnt, sollte nicht erwarten, dass die Arbeit in 20 Jahren genauso aussieht wie heute. Das wäre unrea­listisch. Du brauchst aber auch nicht davon ausgehen, dass du in 10 Jahren durch eine KI ersetzt wirst, nur weil Software heute schon Buchungen übernehmen kann.

Diese Ausbil­dung bleibt weiter­hin sinnvoll. Nicht trotz der Digitali­sierung, sondern wegen ihr.

Wenn du struktu­riertes Arbeiten magst, dich für wirtschaft­liche und recht­liche Zusammen­hänge interes­sierst und bereit bist, dich mit digi­talen Werk­zeugen ausein­ander­zusetzen, kannst du hier auch lang­fristig eine gute beruf­liche Perspektive finden. Du musst dafür kein Technik­profi sein. Entschei­dend ist deine Bereit­schaft, gemeinsam mit dem Beruf weiter zu lernen.

Erfahre alles zur Umschulung der Steuerfachangestellten.

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